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Interview mit Henriette von henriette_isbael_dieckhoff

Wir freuen uns sehr, das Interview mit dir durchführen zu dürfen.

 

Henriette ist Finanzcoach aus Berlin und als wir das erste mal auf dein Profil gestoßen sind, waren wir gleich total angetan davon, dass bei dir die Vorbildrolle für die eigenen Kinder auch ein ganz wesentlicher Bestandteil in deinem Coaching-Programm ist.  Deshalb wollen wir heute mehr dazu erfahren, wie du zu deiner Rolle als Finanzcoach gefunden hast und warum es dir so wichtig ist, dass deine Klienten sich auch über die Möglichkeit der Finanziellen Freiheit ihrer Kinder klar werden.

 

 

Du erzählst auf deiner Webseite von einer ganz tollen kurzen Geschichte:

 

Dein Papa hat dir mit 15 Jahren ein ganz besonderes Geschenk gemacht:  Er versprach, in Zukunft jede selbst verdiente Mark zu verdoppeln. Ein Dach über dem Kopf und Essen gab es gratis, ansonsten war ich von da an auf mich alleine gestellt. Kein Taschengeld, keine Anziehsachen, keine Schulsachen, kein Führerschein, kein Auto. Aber alles, was ich selbst verdient hatte, vermehrte sich plötzlich mal zwei. Ein wunderbares Geschenk, wie ich heute weiß. Ich hatte das große Glück, dass mir mein Vater früh viel über Geld beigebracht hat. Im Laufe der Jahre habe ich durch Selbststudium und in Gesprächen mit anderen Menschen eine Menge über Finanzen und das Investieren gelernt.

 

Bei dieser Geschichte wird klar, dass dir dein Vater schon früh, sehr viel über Proaktivität beigebracht hat. Das ist wirklich ein wahnsinns Geschenk. Wie hast du das damals mit 15 empfunden?

Ich fand das damals total motivierend. Schon bevor ich 15 war‚ habe ich auf unterschiedlichsten Wegen mein Taschengeld aufgebessert. Ich hab zum Beispiel Prospekte ausgeteilt oder gebügelt. Von einem Tag auf den anderen finanzielle Verantwortung für mich zu übernehmen, hat mich nicht unter Druck gesetzt. Ich habe es eher als die Chance gesehen, mir alle Wünsche erfüllen zu können, ohne meine Eltern nach Geld fragen zu müssen.

 

War da auch manchmal Neid anderen Jugendlichen gegenüber dabei, denen gefühlt alles in den Schoß gefallen ist?

Nein, gar nicht. Ich habe mich und meine Situation immer im klaren Vorteil gesehen. Arbeiten war, als ich Teenager war, cool und irgendwie erwachsen. Zumindest in meinen Augen. 

 

Was würdest du Eltern raten, die die Proaktivität bei ihren eigenen Kindern fördern wollen. Wie kann man das konkret auch in jüngeren Jahren schon angehen?

Meine eigene Erfahrung ist, dass unerfüllte Wünsche eine starke Kraft haben können. Ich wollte zwar viele Dinge haben, meine Eltern haben mir aber nicht alle Wünsche erfüllt. Geschenke gab es im Grunde nur zu Weihnachten und zum Geburtstag. Dinge, die ich außer der Reihe haben wollte, habe ich mir also immer selbst erfüllen müssen. Schon als Teenager habe ich mir nie die Frage nach dem „kann ich mir das überhaupt leisten?“ sondern immer nur nach dem „WIE kann ich mir das leisten“ gestellt. Das ging, soweit ich mich erinnere, schon mit zehn Jahren und meiner Liebe zur Musik los. Sechs Mark war das magische Ziel. Dann gab es eine neue Single.

 

Bei vielen Eltern erntet man auch seltsame Blicke, wenn man erzählt, dass man sich mit den eigenen Kindern früh mit dem Thema Geld auseinander setzt. Geld scheint doch sehr oft negativ behaftet zu sein. Was rätst du Eltern, die selbst noch mit dem positiven Mindset zum Thema Geld zu kämpfen zu haben.

„Kommt in mein Coaching!“ ;)

Meine Erfahrung ist, dass Menschen gerne über Geld reden. Kommt das Thema bei Freunden oder auf dem Spielplatz auf, rede ich sehr offen darüber. Der Austausch und Wissen über Finanzen wird immer positiv aufgenommen. Ich habe das Gefühl, dass alle dankbar darüber sind, dass endlich jemand ganz normal und mit einer großen Selbstverständlichkeit über das Thema Geld und  Zukunft redet.

 

Wie gehst du mit deiner Tochter das Thema Taschengeld an? Bzw. ab welchem Alter siehst du es als sinnvoll an?

Das ist von Kind zu Kind unterschiedlich. Meine Tochter bekommt zum Bespiel seitdem sie vier ist Taschengeld. Sie hat sich damals für die Münzen und Scheine interessiert und wollte beim Bäcker, in der Eisdiele oder an der Supermarktkasse selbst bezahlen. Und sich ihre Brezeln oder ihr Eis selbst kaufen. Da war es dann Zeit für ein bisschen eigenes Geld. Ist also Interesse da, dann sehe ich es wie bei allen anderen Dingen als wichtig an, diese Neugier mit Erfahrung und Wissen zu füttern.

 

Ist aus deiner Sicht beim Thema Taschengeld nicht weniger mehr?

Das kommt ganz auf die Familienabsprachen an. Ich gebe meiner Tochter verhältnismäßig viel Taschengeld. Zum Ausgeben, Sparen und Schenken. Das Geld wird in drei Gläser aufgeteilt und das Ganze funktioniert quasi wie ein „Budgetplan light“. Unsere Absprache ist, dass sie sich von ihrem Geld alles kaufen kann, was sie gerne möchte. Will sie Süßigkeiten außer der Reihe? Bitteschön, nimm dein Geld. Will sie ein neues Kuscheltier, obwohl sie meiner Meinung nach schon genug hat? Bitteschön, lass uns einen Kassensturz machen und gucken, wie viel Geld in deinem Sparglas ist. Oft ist der Wunsch dann gar nicht mehr so akut und die Diskussion, ob sie es haben darf, findet gar nicht in aller Ausführlichkeit statt.

Ob weniger mehr ist? Das hängt wie gesagt davon ab, was sich das Kind alles von dem Taschengeld kaufen soll und was von den Eltern noch bezahlt wird. Hier kann jede Familie ihren ganz eigenen Weg finden und gehen.

 

Kannst du uns konkret sagen, wie du bei deiner Tochter als Vorbild voran gehst? Hast du da konkret zwei bis drei Beispiele aus euerm Alltag? 

Ich rede offen und nie schlecht über Geld. Ein Beispiel: Wenn wir unterwegs sind und meine Tochter etwas haben möchte, was nicht unsere Taschengeldabsprache betrifft, erkläre ich, warum wir etwas nicht kaufen. Ganz wichtig: Dazu gehört nie der Satz: „Das können wir uns nicht leisten“, sondern eine Erklärung, warum ich uns das gerade nicht gönnen will. 

Zu dieser Offenheit gehört auch, dass ich meiner Tochter erkläre, womit ich uns das Geld verdiene. Sie weiß in etwa was ich mache und warum. Deswegen kennt sie meinen Arbeitsplatz in der Agentur, in der ich als Designerin arbeite. Und sie weiß von meiner zweiten Tätigkeit als Finanzcoach. Hier helfe ich Klienten sowohl offline, wie auch online, wie sie besser ihr Geld organisieren und wie sie ihre ersten Schritte und Erfahrungen an der Börse machen können. 

Sie bekommt mit, dass mir unterschiedlichen Standbeine und mehrere Wege, wie ich mein Geld verdiene, wichtig sind. Dazu gehört natürlich auch das Investieren an der Börse. Als wir neulich den Disneyfilm „Vaiana“ geguckt haben, habe ich ihr erklärt, dass ein bisschen was von dem Film auch ihr gehört. In ihrem Depot liegen nämlich ein paar Disney-Aktien.

 

Liebe Henriette, vielen Dank für das wahnsinnig lehrreiche und sympathische Interview mit dir. Wir wünschen dir und deiner Familie nur das Beste. 

 

Hier geht es zu Henriette's Homepage. Schaut dort unbedingt vorbei, ihr werdet begeistert sein.